Polen ist unser nächster Nachbar und zugleich das Land, das wir jahrzehntelang übersehen haben. Von Berlin aus liegt Stettin näher als Hamburg und Breslau näher als München – und trotzdem war Polen für uns lange so weit weg wie Georgien. Das Frankreich des Ostens, nur dass niemand hinfährt.
Dabei ist die Verbindung eng. Die Familie meiner Frau hat ihre Wurzeln in Pommern, Teile meiner eigenen Vorfahren stammen aus Polen, und unsere Familie ist inzwischen um polnische Mitglieder reicher. Was uns bis vor Kurzem fehlte, war nie die Nähe – sondern der Entschluss, tatsächlich hinzufahren.
Seit 2025 tun wir das, und immer in die Regionen abseits der großen Ziele: ins Glatzer Bergland, ins Riesengebirge, in die Inselbeskiden, ins Karpatenvorland. Nicht weil es dort mehr zu sehen gäbe, sondern weil dort niemand vorgibt, was sehenswert ist. Wo kein Reiseführer den Blick lenkt, entdeckt man die Welt mit den eigenen Augen.
Polnisch spreche ich fast nicht – über „Dzień dobry“ bin ich kaum hinausgekommen. Vieles bleibt deshalb Beobachtung: Häuser, Kirchen, Landschaften, Gesichter. Genau davon handeln diese Berichte.